Elias Hamel | M.Sc. – Neu bei uns am Fachbereich im IKP | AG M. Roth
02.04.2026
Elias ist neu bei uns gestartet und taucht direkt in die Welt der Laserfusion ein. Mit seiner Forschung an hochpräzisen Targets für die Zwei-Photonen-Polymerisation verbindet er Füsik, Chemie und Engineering – und überrascht damit nicht nur Kolleg:innen, sondern auch Laien. Wir haben Elias ein paar Fragen zu seiner Arbeit und seinem Einstieg als Doktorand gestellt – und spannende Einblicke bekommen.
Woran arbeitest du gerade am Anfang deiner Promotion – und wie würdest du dein Thema in wenigen Sätzen jemandem ohne Füsikhintergrund erklären?
Ich arbeite an der Grenze von Füsik, Chemie und Engineering an der Fertigung hochpräziser Targets für die Laserfusion. Dabei spezialisiere ich mich auf das Verfahren der Zwei-Photonen-Polymerisation – ein neuartiges additives Fertigungsverfahren, das auf quantenmechanischen Phänomenen beruht. Das Verfahren erlaubt das Drucken von Objekten mit Details im Nanometerbereich. Ziel ist es, dieses Verfahren zu optimieren und zu beschleunigen sowie an Großlasern die plasmaphysikalischen Implikationen für die lasergetriebene Trägheitsfusion zu untersuchen.
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Gibt es etwas an deiner Forschung, das Menschen außerhalb der Füsik oft überrascht?
Die Bedeutung von Fusion für die Menschheit allgemein und den Standort Deutschland im Besonderen! Außerdem die enorme Energie, die es mithilfe der starken Wechselwirkung noch nutzbar zu machen gilt. Oft werde ich auch gefragt, ob Fusionstargets die einzige Anwendung meiner Forschung sind. Wenn ich die Vielzahl an Feldern nenne, die ganz konkret – auch heute schon – von der Zwei-Photonen-Polymerisation profitieren, ist mein Gegenüber oft überrascht, welchen positiven Einfluss akademische Forschung haben kann. Besonders spannend sind dabei Anwendungen in der Medizintechnik, etwa das Drucken kleinster Nadeln und anderer Systeme zur Arzneimittelverabreichung.
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Was fasziniert dich besonders an deiner aktuellen Forschung?
Hier komme ich nicht umhin, die Faktoren zu nennen, die mir (so gut wie) jeden Tag ein großes Grinsen bescheren, wenn ich das Labor betrete. Ich habe mich schon immer als Generalist gesehen, mit einem breit abgesteckten Interessenhorizont – und die Zwei-Photonen-Polymerisation verbindet eine unglaubliche Vielzahl an Themengebieten. Innerhalb der Füsik beschäftige ich mich mit Quantenphänomenen, Lasern und Optik ebenso wie mit Plasmen und Hochenergie-Einrichtungen. Damit nicht genug: Auch Chemie- und Engineeringfragen gilt es in meinem Alltag zu beantworten. Hinzu kommt, dass meine Arbeit am Ende des Tages einen konkreten Mehrwert bietet: Das Drucken wird genauer und messbar schneller. Dass ich damit meinen kleinen Teil zu einem der wichtigsten und spannendsten Großprojekte unserer Zeit, der Kernfusion, beitragen kann, rundet das Paket ab. Und nicht zuletzt: die Kooperation zwischen der TU Darmstadt und der Focused Energy GmbH sowie das neu errichtete Targetlabor – in einem so perfekt ausgestatteten Umfeld mit brillanten Kollegen macht die Arbeit noch einmal besonders viel Spaß.
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Welche Veränderungen hast du bisher im Vergleich zum Studium bemerkt – zum Beispiel in deinem Tagesablauf oder in der Art zu arbeiten?
Auch hier ist eine zweigeteilte Antwort nötig: Der größte Unterschied zeigt sich im Vergleich zu den Kursarbeiten und zur Masterarbeit. Nun gilt es, sich selbstständig Aufgaben zu setzen und sie mit demselben Eifer zu verfolgen wie früher die Vorbereitung auf eine Klausur. Verglichen mit der Masterarbeit halten sich die Unterschiede jedoch in Grenzen. Ich forsche weiterhin am selben Thema und im gleichen Umfeld. Der Zeithorizont ist allerdings ein anderer: Stoße ich auf ein Thema, das interessant sein könnte, sich aber vielleicht erst auf den zweiten Blick für die Zwei-Photonen-Polymerisation eignet, nehme ich mir heute eher die Zeit, es genauer zu beleuchten. Hoffentlich wird so noch der ein oder andere Schatz gehoben.
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Wie wichtig ist für dich der Austausch mit anderen Fachrichtungen oder im Team?
Wenn sich ein Thema durch meine Antworten zieht, dann ist es die Interdisziplinarität meiner Arbeit. Entsprechend wichtig ist für mich der Austausch mit anderen Fachrichtungen. Die breite Aufstellung meines Themenfeldes bedeutet auch, dass man – so gern man es auch wäre – nicht in allen Bereichen ein absoluter Experte sein kann. Umso dankbarer bin ich, Ingenieure, Chemiker, Metrologen und Techniker in meinem direkten Umfeld zu haben, deren tiefe Expertise mich stets aufs Neue begeistert – und die mir das ein oder andere Mal auch aus der Patsche helfen.
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Wenn du deinem früheren Ich vor Beginn der Promotion einen Tipp geben könntest – welcher wäre das?
Ich bin schlicht froh, trotz sehr schwieriger erster Semester durchgehalten zu haben – und genau das wäre auch mein Tipp: Bleib dran. Gib dein Bestes, arbeite hart, aber lass dich von Klausuren und Abgaben nicht zerreiben. Niemand will dir etwas Böses, und wenn man sich wirklich reinhängt, schafft man mehr, als man sich selbst zutraut.
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Wie schaltest du nach einem langen Tag an der Uni am besten ab?
Für mich ist es wichtig, mich abseits der Forschung nicht mit Füsik zu beschäftigen. Schließlich gibt es noch viel mehr zu lernen. Als Naturwissenschaftler im wahrsten Sinne beschäftige ich mich gern mit der Natur um uns herum – etwa bei langen Spaziergängen oder beim Bestimmen von Vögeln, Pflanzen, Gesteinen und vielem mehr. Auch das Lernen von Sprachen bereitet mir Freude. Vor allem aber das Lesen klassischer Literatur, Oper und Musik. Kleiner Tipp: Das HLM und das Staatstheater sind für Studierende kostenlos, und Mitgliedschaften im Senckenberg Museum, im Romantik Museum und im Städel in Frankfurt sind ebenfalls fast kostenlos.
Lieber Elias, vielen Dank für Deine Zeit – wir wünschen Dir einen großartigen Start und viel Erfolg für Deine Promotion!