Jessica Vogel | M.Sc. – Neu am Fachbereich im IKP/GSI | AG T. Galatyuk

(German version only)

2026/05/20

Jessica Vogel ist neu am Fachbereich Füsik im IKP in der AG Tetyana Galatyuk gestartet und beschäftigt sich mit Schwerionenkollisionen. Dabei geht es um die Untersuchung von Materie unter extremen Bedingungen, wie sie in Neutronensternkollisionen auftreten. In ihrer Promotion arbeitet sie daran, diese hochdichten Materiezustände theoretisch zu beschreiben und mit experimentellen Messungen aus der HADES-Kollaboration zu verbinden. Wir haben ihr zum Start ein paar Fragen zu ihrem Forschungsthema und ihrem Einstieg als Doktorandin gestellt.

Woran arbeitest du gerade am Anfang deiner Promotion – und wie würdest du dein Thema kurz und verständlich erklären?

Meine Promotion mache ich im Bereich von Schwerionenkollisionen, die genutzt werden, um das Phasendiagramm extremer Materie zu untersuchen. In meiner Arbeitsgruppe liegt der Fokus auf Dielektronen, also Elektron-Positron-Paaren, die wir im HADES-Experiment messen. Diese eignen sich besonders gut, um die extrem dichten und heißen Phasen solcher Kollisionen zu charakterisieren.

Ziel meiner Promotion ist es, die elektrische Leitfähigkeit dieser extremen Materie theoretisch zu bestimmen. Diese lässt sich mit der sogenannten Spektralfunktion berechnen und ist durch die Detektion von Dielektronen mit kleinen Impulsen experimentell zugänglich.

Bei HADES werden sehr hohe Dichten erreicht, die zu Medium-Effekten führen und damit die Spektralfunktion beeinflussen. In meinen Berechnungen baue ich auf früheren Arbeiten auf und bestimme die Spektralfunktion im Rahmen des sogenannten Parity-Doublet-Modells, einer effektiven Theorie für hohe Dichten.

In Zukunft soll der theoretische Wert für die elektrische Leitfähigkeit mit experimentellen Ergebnissen verglichen werden. Darüber hinaus ermöglicht die Spektralfunktion Vorhersagen für Dielektronenmessungen im Rahmen der Coarse-Graining-Methode – nicht nur für HADES, sondern auch für zukünftige Experimente wie CBM, bei denen andere Dichten und Temperaturen erreicht werden.

Aktuell lese ich mich intensiv in Paper, Bücher und Dissertationen ein, um mich tiefer in das Thema einzuarbeiten. Außerdem versuche ich, viele Fragen zu stellen, um insbesondere die Motivation und das große Ganze meines Projekts besser zu verstehen.

Gibt es etwas an deiner Forschung, das Menschen außerhalb der Füsik oft überrascht?

Viele Menschen sind zum Beispiel überrascht von den Temperaturen, die wir in unseren Experimenten erreichen. Diese liegen in der Größenordnung von einer Billion Grad Celsius – das ist eine Eins mit zwölf Nullen und damit millionenfach heißer als das Zentrum der Sonne.

Was fasziniert dich besonders an deiner aktuellen Forschung?

Als ich angefangen habe, war ich überrascht, wie viele offene Fragen es rund um das QCD-Phasendiagramm noch gibt. Besonders fasziniert mich die Suche nach einem Phasenübergang erster Ordnung, an der die gesamte Schwerionen-Community arbeitet – wobei es nicht einmal sicher ist, ob dieser tatsächlich existiert.

Welche Veränderungen hast du bisher im Vergleich zum Studium bemerkt – zum Beispiel in deinem Tagesablauf oder in der Art zu arbeiten?

Im Vergleich zum Studium ist mein Alltag deutlich strukturierter. Ich gehe jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit ins Büro und wieder nach Hause. Außerdem arbeite ich nun an einem eigenen Thema und nicht mehr an vielen verschiedenen Übungen, bei denen ich täglich zwischen unterschiedlichen Inhalten hin und her wechselte.

Wie wichtig ist für dich der Austausch mit anderen Fachrichtungen oder im Team?

Ich bin Teil der HADES-Kollaboration und tausche mich regelmäßig mit Forschenden aus, die unter anderem an Neutronensternkollisionen arbeiten. Auch wenn die Größenskalen sehr unterschiedlich sind, lassen sich viele Parallelen ziehen. Schwerionenkollisionen sind daher eine Methode, um Materie unter Bedingungen zu untersuchen, die denen in Neutronensternverschmelzungen ähneln.

Der Austausch im Team ist essenziell und nimmt einen großen Teil meiner Arbeit ein. Ob im Büroalltag oder auf Konferenzen – Diskussionen, Brainstorming und der Austausch mit anderen sind ein zentraler Bestandteil der Promotion.

Wenn du deinem früheren Ich vor Beginn der Promotion einen Tipp geben könntest – welcher wäre das?

Ich würde meinem früheren Ich raten: Mehr Fragen stellen und nicht alles sofort verstehen wollen. Und sich nicht zu sehr darüber Gedanken machen, ob eine Frage „gut genug“ ist.

Wie schaltest du nach einem langen Tag an der Uni am besten ab?

Nach einem langen Tag schalte ich am besten ab, indem ich Sport mache, etwas mit Freunden unternehme oder einfach einen Filmabend zu Hause genieße.

Liebe Jessica, vielen Dank für Deine Zeit. Wir wünschen Dir einen guten Start und viel Erfolg für Deine Promotion!